Andacht
Liebe rechnet nicht
Was immer dich im Moment bewegen mag, lass dich neu zur völligen
Hingabe an den HERRN ermutigen. »Opfern will ich dir aus freiem
Antrieb ... denn aus aller Not hat er mich errettet« (Psalm 54,8-9). Hier
platzt der Dank aus allen Nähten. Wo gibt es das noch, dass einer
Gelegenheit zum Opfern sucht? Kennen wir noch etwas von der
Spontaneität aufrichtiger Liebesbezeugungen dem HERRN gegenüber?
David freute sich geradezu, seinen Gott mit einem zusätzlichen Opfer
zu überraschen. »HERR, hier bringe ich etwas, womit du gar nicht
gerechnet hast!« Ach, was Liebe alles kann! Liebe muss man nicht erst auf
die Sprünge bringen. Liebe ist immer kreativ. Der Liebe fehlt es nicht an
originellen Ideen und Einfällen. Das hatte Maria in Johannes 12,1-8
schließlich bewiesen. Sie überschüttete im wahrsten Sinn des Wortes ihren
HERRN mit sehr kostbarer Salbe, mit dem, was ihr wertvoll war.
Ach, was sind wir doch alle vom Grunde unseres Herzens aus für
Egoisten — Menschen, die in allem so berechnend sind. Wir tun uns
schwer, über den eigenen Tellerrand hinwegzusehen, weil uns unsere
eigenen Interessen über alle Maßen gefangen nehmen. Da geben wir uns
zwar dem HERRN hin, opfern Zeit, Kraft, Geld und unser ganzes
Leben, und gleichzeitig machen wir es so wie die Jünger und fragen:
»HERR, aber was wird uns dafür?« David ist da ganz anders. Er schaut
dahin, was der HERR für ihn getan hat. Sein erfrischendes Bekenntnis
zum HERRN steckt an. Es macht nachdenklich zugleich. Wie steht es
mit unseren Empfindungen, dem HERRN zu opfern? Wie mit unserer
Liebe zu ihm? Schließlich ist es die Liebe, die ja auch in Ehe, Familie
und Gemeinde die Temperatur regelt. Ich habe noch keine Ehe, keine
Familie, keine Gemeinde gefunden, die Liebe hatte und dann trotzdem
darüber klagte, dass alles in die Brüche ging. Wo Liebe fehlt, da wird
schließlich jedes Opfer zur Qual.
Welcher Anlass reißt uns aus der verhängnisvollen und gefährlichen
geistlichen Müdigkeit heraus? Paulus sagt es so: »HERR, du hast mich
zuerst geliebt, und darum liebe ich dich!« So sollte es sein. Ist es so? Wir
haben Zeit für alles — aber oft so wenig Zeit für Gott. Viele gehen für ihre
weltlichen Chefs aus Pflichterfüllung über ihre Kräfte, geben Kraft und
Gesundheit dafür her. Doch leider muss sich unser Gott oft mit dem
schäbigen Rest unseres Lebens begnügen, wertlose Brocken, die wir ihm
übriglassen. David freut sich: »HERR, ich opfere dir aus freiem Antrieb
mein Leben, meine Kraft, mein Hab und Gut, mein alles. Dort, wo der Blick
für das Ewige verkümmert, erlischt unser geistliches Leben.
Wann platzt bei uns der Dank aus den Nähten? Grund dazu hätten wir
doch! Und an Gelegenheiten, dem HERRN mit Freuden zu dienen, fehlt es
nicht!
Manfred Paul