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Die rettende Grille
Vor mehr als 350 Jahren ging eines Tages in England eine unglückliche,
elende Frau mit ihrem Säugling über einen einsamen Feldweg. Sie
wollte ihr armes Kind aussetzen. Hinter einer Hecke neben dem Weg
legte sie den schlafenden Knaben in ein Tuch gehüllt ins Gras einer Wiese
nieder und eilte dann ihres Weges weiter. Nach einigen Stunden kam
ein Knabe mit seinen Büchern aus der Schule — er war auf dem Heimweg.
Alles war still, nur eine Grille zirpte bei untergehender Sonne ihr
einförmiges Lied so laut, daß der Schulknabe plötzlich den Gedanken
faßte, diese Grille aus der Erde zu holen. Er betrat die Wiese und fand
das Knäblein, das im Gras lag und schlief. Er nahm es auf und trug es
heim. Seine Eltern behielten das Kind und zogen es groß. Die Grille
und ihr Zirpen waren das Mittel gewesen, um dies ausgesetzte Kind zu
retten. Der Knabe wuchs zu einem tüchtigen Mann heran. Er gründete
ein Geschäft; Gott segnete alles, was er unternahm. Damals regierte
Königin Elisabeth in England, welche den Rat dieses klugen und gesegneten
Mannes oft erbat. Es war Sir Thomas Grasham, der Begründer
der königlichen Börse von England. Zur Erinnerung an die wunderbare
Fügung Gottes, welcher sein dem Tode verfallenes Leben einst durch
eine Grille rettete, setzte Grasham auf das Gebäude als Wetterfahne eine
Grille.
Psalm 139, 16-18: „Deine Augen sahen mich, da ich noch unbereitet
war, und alle Tage waren auf Dein Buch geschrieben, die noch werden
sollten, als derselben keiner da war. Aber wie köstlich sind vor mir,
Gott, Deine Gedanken! Wie ist ihrer so eine große Summe! Sollte ich
sie zählen, so würde ihrer mehr sein denn des Sandes. Wenn ich aufwache,
bin ich noch bei Dir."

Aus: Von der Landstrasse des Lebens-Georg von Viebahn