Interessantes

Bekennt nun einander die Vergehungen.
Jakobus 5,16
Scheidung kann schlimmer sein als Sterben
Er war ein richtig straffer Manager, dabei smart und verbind-
lich. Heute war er in mein Büro gekommen, um ein von mir vor-
geschlagenes Projekt abzulehnen. Er tat dies höflich, aber endgültig.
Mitten in seiner Argumentation blickte er an mir vorbei auf ein Foto
meiner Frau und sagte: »Die Dame habe ich schon mal gesehen – wer
ist das?« Es stellte sich heraus, dass er auf Bibel TV ein Interview mit
meiner Frau und mir gesehen hatte, bei dem es um Trauerverarbeitung
und Neuanfang nach dem Tod meiner ersten Frau ging.
Er berichtete, dass seine Frau ihn verlassen und die Scheidung
durchgesetzt hatte. Beim Durchzappen an einem Sonntagmorgen war
er auf dieses Interview gestoßen: »Ich suchte intensiv nach Trost und
Hilfe und fühlte mich in der kaum zu ertragenden Ruhe des Feiertags
wie ein Löwe im Käfig.« Ihm schien es, als habe er mit seiner Schei-
dung viel größere Probleme als ich mit der Trauerverarbeitung wegen
des Todes meiner krebskranken Frau. Seine Frau laufe quicklebendig
durch Frankfurt. Er mache sich Vorwürfe, empfinde Schuld und Rat-
losigkeit.
Als er gegangen war, fiel mir ein, was ich ihm hätte sagen sollen.
Hoffentlich bekomme ich dafür noch einmal eine Chance: Fast immer
liegt bei einer Scheidung die Schuld – wenn auch unterschiedlich
schwer – auf beiden Seiten. Doch Gott bietet uns an, unseren Teil der
Schuld bei ihm abzuladen. Danach fällt es uns auch nicht mehr so
schwer, diese Schuld vor dem Partner einzugestehen, natürlich ohne
dessen Schuld dagegen aufzurechnen! Vielleicht ist das dann der Weg
zur Versöhnung. Wenn aber nicht, dann ist doch das Gewissen frei, und
man braucht sich nicht weiterhin anzuklagen, sondern kann für die
Vergebung danken. sp
Was muss man tun, damit der andere bereit wird zu vergeben?
Schuldaufrechnungen führen niemals zu einem guten Ende!
Psalm 32

Aus: Leben ist mehr